Die AfD keine Professorenpartei

Die AfD keine Professorenpartei

In Mecklenburg-Vorpommern wird die AfD voraussichtlich mit über 20% Stimmenanteil in den Landtag einziehen. Kann sein, dass die AfD die CDU überholt. Nicht nur in Mecklenburg.-Vorpommern, sondern bundesweit diskutieren die  Akteure der etablierten Parteien, wie sie mit der AfD umgehen sollen. Einfach ignorieren, wie es die etablierten Parteien im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern mit der NPD gemacht haben, ausgrenzen oder verteufeln? Mit der AfD wird das nicht mehr gehen. Die AfD vertritt die Wähler mittlerweile in acht Landtagen. Wer 2015 nach der Spaltung der Partei in 2015 glaubte die AfD sei nun Geschichte, der irrte sich. Der „Weckruf“ und Lucke`s hieraus neu  gegründete Partei Alfa  dümpelt als nicht erwähnenswerte Partei in den Umfragewerten herum. So fällt es auch gar nicht auf, dass Lucke möglicherweise den Namen der Partei ändern muss, weil ein gleichlautender Verein den Namen Alfa für sich beansprucht. Wer hätte gedacht, dass Lucke  mit seinem allseits bekannten Mitstreiter Hans-Olaf Henkel und in den Talkshows immer gern gesehener Gast, mit der Alfa Partei nicht entsprechend beim Wähler punkten würde und zu einer ernsthaften Konkurrenz zur AfD hochsteigt. Der Bekanntheitsgrad der übrigen AfD Akteure in der Bevölkerung war ja relativ gering. Das Phänomen der AfD liegt aber nicht in den Akteuren. Wer kannte schon vor der Wahl in Baden-Württemberg einen Jörg Meuthen oder in Rheinland-Pfalz einen Uwe Junge? Bei einer Partei, die vorwiegend aus Protest gewählt wird, spielen die Akteure eine untergeordnete Rolle. Es lässt sich ein etwaiger Zusammenhang zwischen dem Anwachsen der Zustimmung zur AfD und der steigenden Ablehnung der Flüchtlingspolitik der Angela Merkel und der etablierten Parteien nicht leugnen. Wenn Bernd Lucke die AfD gegründet hat aus der Sorge die CDU habe bereits ihre „profilbildenden Charakteristika“ verloren und durch die Euro Rettungspolitik  würde die CDU ihre letzte „Kernkompetenz des ökonomischen Sachverstandes“ zerstören, so hatte er damals schon den Grund für die Existenz der AfD beschrieben. Bernd Lucke wörtlich: „In ernster Sorge vor politischen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen in Deutschland und in der Europäischen Union haben wir die Partei ‘Alternative für Deutschland’ gegründet.“… Der Aufstieg der AfD war aber letztendlich nicht durch den ursprünglichen Gründungsgrund verursacht, denn nach Bernd Lucke`s Austritt und seiner Mitstreiter aus der AfD lag die AfD in den Umfragewerten bei ca. 3%. Eigentlich erst durch die Sylvester Nacht in Köln wurde klar, dass die Flüchtlingspolitik der Angela Merkel und der etablierten Parteien gewollt oder ungewollt das westliche Wertesystem im Kern trifft. Damit ist nicht ein Wertewandel, wie ihn Ronald Inglehart vom Materialismus zum Postmaterialismus aufgezeichnet hat, gemeint, sondern eine grundlegende Veränderung des bestehenden Wertesystems  oder unserer „Wertebasis“. Die Folgen durch Einschränkung der Freiheitsrechte, wie z. B. durch die Forderung nach mehr Überwachung, nach mehr „Katastrophenschutz, nach mehr Einschränkung der Meinungsfreiheit, sind im Ansatz sichtbar.  Der Wähler hat intuitiv die Gefahr eines  „multikulturellen Kulturrelativismus“ erkannt und wendet sich deshalb von der CDU und den etablierten Parteien ab. Die AfD hat zumindest dieses Problem erkannt und gewinnt ohne großes Zutun. Erwähnenswert erscheint  in diesem Zusammenhang auch die Feststellung in einer Studie vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, dass sich „das Profil der AfD-Anhänger   deutlich verändert hat“. So ziehe „die Partei mittlerweile vor allem folgende Gruppen an: Männer, Ostdeutsche, weniger Gebildete und junge Menschen unter 30 Jahren. Zuspruch findet die Partei dabei vor allem unter denen, die mit der Demokratie in Deutschland unzufrieden sind.“ Das besagt aber keinesfalls die künftige politische Ausrichtung der Partei. Die Studie bestätigt im Endeffekt lediglich, dass sich die AfD als ursprüngliche „Professorenpartei“ hin zu einer weniger Professorenpartei entwickelt hat und bei einem gewissen Prozentsatz der Wähler eine „Parteibindung“ vorhanden ist, der überwiegende Teil aber der Protestwählerschaft entspringt. Die AfD wird auch so schnell nicht mehr von der Bildfläche verschwinden. Verliert die Union noch den Glauben des Wählers in die „Kernkompetenz des ökonomischen Sachverstandes“, so wird die Union sich weiter im Sinkflug befinden.

 

JM



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